Ein Ideenwettbewerb entscheidet...

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich ab, dass im Landkreis Marburg eine Erweiterung des Schulraumes von Nöten war.  Die Stadt Kirchhain wies für dieses Vorhaben besonders günstige Bedingungen auf.
Dabei spielten folgende Gründe eine Rolle:
Das Anwachsen der Bevölkerung in den Nachkriegsjahren, insbesondere durch die Aufnahme von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, führte zu einem erhöhten Bedarf der schulpflichtigen Kinder aus den umliegenden Siedlungen an einer Mittel- bzw. höheren Schule.
Eine Schule in Kirchhain war durch gute Verkehrsanbindungen mit Bus, Bahn und aus den anliegenden Dörfern mit dem Fahrrad leicht erreichbar.
Die zunehmende Ansiedlung von Industrie im Ostraum des Kreises (Stadtallendorf, Neustadt, Kirchhain) hatte einen verstärkten Zuzug von Spitzenkräften aus Großstädten zur Folge, die den Wunsch hatten, ihre Kinder weiterhin eine Oberschule besuchen zu lassen.
Die überfüllten Marburger Stadtschulen sollten entlastet werden.
Die schwerwiegende Raumnot der ortsansässigen Mittel- und Volksschule musste behoben werden.    
Nach dem erfolglosen Versuch das Platzproblem durch Aus- und Anbau der Volks- und Mittelschule zu lösen, entstand der Plan eine neue Mittelschule zu errichten. Dieser Plan wich im Jahre 1953 dem Gedanken, eine größere Schule zu erstellen, die sowohl Räume für die Unterbringung von Volks-, Mittel- und höherer Schule enthalten sollte.

Nach dem Beschluss, eine neue Schule zu bauen, musste ein geeignetes Grundstück gefunden werden. Die Verantwortlichen gaben einem links der Röthestraße gelegenen Ackergrundstück in Größe von ca. 2 ha den Vorzug. Dieses wurde schon im Jahre 1954 von der Stadt erworben und für den Schulneubau kostenlos zur Verfügung gestellt.
Am 7. September 1954 wurde ein Ideenwettbewerb durch den Landrat des Kreises Mar-burg/Lahn ausgeschrieben, der das zukünftige Aussehen des Schulgeländes und der Schul-gebäude betraf. Teilnehmen durften alle freischaffenden, angestellten oder beamteten Architekten, die im Land Hessen geboren wurden, wohnhaft oder berufstätig waren. Die ersten drei Plätze dieses Wettbewerbs waren mit einem Geldgewinn ausgeschrieben. Zahlreiche Architekten reichten ihre Vorschläge ein, von denen das Modell des Architekten Franz Mocken aus Bad Soden den Preisrichtern am meisten zusagte.
Drei Bauabschnitte sollten je nach Dringlichkeit in Angriff genommen werden: Der Bereich der Mittelschule sollte zur Entlastung der bereits bestehenden als erster fertig gestellt werden. Um möglichst schnell der Forderung der zugezogenen Spitzenkräfte aus dem Industriesektor nachzukommen, sollten im Anschluss daran die Räumlichkeiten der höheren Schule gebaut werden. Der dritte Bauabschnitt betraf die Fertigstellung der Volksschule.

Nina Kretschmer, Theresia Zschornak