Individualisieren muss Normalität werden

 

 

Wie muss gelingender Unterricht für die heterogene Zusammensetzung der verbundenen Mittelschule aussehen?

Welche Bedingungen und Strukturen muss Schule für das erfolgreiche Lernen jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers bereitstellen?

 

Die bisherige Arbeit des Kollegiums der AWS ist geprägt durch folgende Erfahrungen:

-Weitgehend gleichschrittiges Lerntempo für alle Schülerinnen und Schüler einer

Lerngruppe.

-Fachinhalte laufen meist zeitlich und inhaltlich unkoordiniert nebeneinander her.

-Die Klassen haben viele Fachlehrer. Die Kommunikation zwischen den Lehrkräften

beschränkt sich oft auf die Klagen über das Fehlverhalten immer derselben

Schülerinnen und Schüler an die Klassenlehrer. Diese haben oft selbst auch nur

wenige Stunden in der Klasse und können die Probleme selten alleine lösen.

Jeder ist gleichzeitig klagender Fachlehrer und leidender Klassenlehrer und trotzdem

allein mit den Problemen.

-Auch für die Schülerinnen und Schüler selbst als wichtigsten Teil des Schulsystems

gibt es kaum Möglichkeiten, ihre Probleme, die sie innerhalb der Schule, mit dem

Unterricht, ihren Lehrern, ihrer Klasse oder untereinander haben, in einem

vertrauten Rahmen zur Sprache zu bringen und gemeinsam Lösungen zu erörtern.

 

Mögliche Reaktionen auf diese Erfahrungen:

-Die individuellen Lern- und Entfaltungsmöglichkeiten im Schulleben werden gestärkt.

-Der vom Lehrer gesteuerte Unterricht tritt zurück zugunsten der Schaffung von

offenen Lernsituationen, in denen die Schülerinnen und Schüler mehr Möglichkeiten

für individuelles Arbeiten und Lernen finden und selbständig agieren können.

-Die Möglichkeiten zur Übernahme von Verantwortung und zur Mitgestaltung

innerhalb und außerhalb der Lernsituation werden erweitert.

 

 

Pädagogische Konsequenzen:

Eine Schule, die die Ziele der Individualisierung verfolgt muss so strukturiert sein, dass

sie den Lehrkräften ausreichend Kreativität und Entfaltungsmöglichkeiten eröffnet zu Gestalten von offenen Lernsituationen, die die Individualität adäquat berücksichtigen.

Andererseits muss die Schule auch das Erreichen der curricularen Vorgaben gewährleisten und die Lehrkräfte nach einem gemeinsam entwickelten Grundkonsens pädagogisch handeln.

Diese Spannung zwischen dem Anspruch, individuelle Lernsituationen zu schaffen, vorgegebene Standards zu erreichen und nach vereinbarten Regeln zu agieren, erfordert einen kontinuierlichen und organisierten Dialog der Beteiligten.